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Individuelle Periodisierung

Individuelle Periodisierung ist die Planung von Trainingsphasen nach dem diagnostisch ermittelten Bedarf einer Person statt nach einem festen Schema.

Definition

«Individuelle Periodisierung» bezeichnet eine Trainingsplanung, bei der Reihenfolge, Dauer und Inhalt der Trainingsphasen aus dem aktuellen Zustand und den Defiziten einer Athletin oder eines Athleten abgeleitet werden. Sie folgt keinem vorgegebenen linearen Ablauf wie die klassische Periodisierung, sondern setzt Phasen gezielt dort ein, wo die Diagnostik den grössten Entwicklungsbedarf zeigt.

Der Ausgangspunkt ist immer eine Bestandsaufnahme: Leistungsdiagnostik, Trainingshistorie, Belastbarkeit und das langfristige Ziel. Daraus entsteht ein Plan, der zwischen zwei Diagnostiken einen klaren Schwerpunkt setzt und beim nächsten Test neu bewertet wird.

Warum das zählt

Ein festes Schema behandelt alle gleich. Eine Athletin mit ausgezeichneter Grundlage, aber schwacher Schwellenleistung verliert Wochen in einer Basisphase, die sie nicht braucht. Ein Athlet mit hohem VO2max, aber schlechter Fettstoffwechselökonomie profitiert kaum von weiteren Intervallblöcken.

Individuelle Periodisierung ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein langfristiger Aufbau über mehrere Saisons das Ziel ist. Sie erlaubt, zwischen Diagnostiken unterschiedliche Fokuspunkte zu definieren und gezielt daran zu arbeiten, immer mit Blick auf das Fernziel.

MerkmalKlassische PeriodisierungIndividuelle Periodisierung
Ablauf der PhasenFest, linear (Basis, Aufbau, Peak)Nach Bedarf, aus Diagnostik abgeleitet
SteuerungsgrösseKalender und WettkampfterminMessbare Defizite und Anpassungsgeschwindigkeit
PlanungshorizontEine SaisonOft mehrere Jahre
Anforderung an CoachModeratHoch, erfordert tiefe Kenntnis der Person
RisikoVerschenktes PotenzialFehl- oder Übertraining bei falscher Einschätzung

Der Preis ist Komplexität. Diese Art der Planung erfordert eine genaue Kenntnis der Athletin oder des Athleten, regelmässige objektive Messungen und die Bereitschaft, den Plan zu ändern, wenn die Daten es verlangen.

Wie obseed das misst

obseed bildet Trainingsphasen in der Planung ab und stellt sie den tatsächlich absolvierten Einheiten gegenüber. Die hinterlegten Leistungskenndaten aus einer Diagnostik liefern die Referenz, an der sich Zonen und Intensitäten orientieren.

Verlaufsgrössen wie Fitness, Ermüdung, Zeit in Zonen und die Kopplung von Herzfrequenz und Leistung zeigen, ob der gesetzte Schwerpunkt wirkt. Ändern sich die Kennwerte in der nächsten Diagnostik nicht in die gewünschte Richtung, ist das ein Signal, den Fokus anzupassen.

Beispiel

Eine Triathletin mit einem Fernziel in 18 Monaten absolviert im Oktober eine Spiroergometrie auf dem Rad. Ergebnis: VO2max 58 ml/min/kg (sehr gut), Leistung an der zweiten ventilatorischen Schwelle 245 W, aber die Fettoxidation fällt bereits ab 165 W deutlich ab.

Ein klassischer Plan würde jetzt eine mehrwöchige Basisphase mit anschliessendem Aufbau vorsehen. Die individuelle Periodisierung setzt stattdessen einen 10-Wochen-Block mit dem Schwerpunkt Fettstoffwechsel: lange Einheiten bei 150 bis 165 W, bewusst ohne Schwellenintervalle.

Die Kontrolldiagnostik im Januar zeigt, ob sich der Punkt, ab dem die Fettoxidation abfällt, nach oben verschoben hat, etwa auf 190 W. Erst dann folgt der nächste Block, diesmal mit Fokus auf die Schwellenleistung. Jede Phase hat ein messbares Ziel, jeder Übergang eine Datenbasis.

Kategorien

  • Trainingsphasen
  • Trainingsplanung